aufgegabelt unterwegs: Heidelberg – ein kleiner (kulinarischer) Reisebericht

 

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Blick aus der Altstadt zum Schloss

Dass ein vermeintlich beschauliches Städtchen wie Heidelberg in Wahrheit ein recht gefährliches Pflaster ist, hätte ich nicht gedacht… Aber ich hatte auch nicht mit diesen Horden von Asiaten gerechnet, die einem entweder mit ihren allgegenwärtigen Selfie-Sticks die Augen auszustechen versuchten (Ich meine, what the fuck? Kriegen die im Flieger so ein Ding mit Heißkleber in die Handfläche geklebt oder was?) oder die, den Blick fest auf ihr Handy-Display gerichtet, einfach geradeaus liefen, ganz egal, was (oder in meinem Fall, wer) ihnen im Weg stand. Aua!

Trotzdem: Heidelberg ist wunderschön! Als unser großes Sohnkind verkündete, seinen Studienort von Dresden nach Heidelberg verlegen zu wollen, nutzte ich natürlich die Gelegenheit, gleich mal mit ihm zur Besichtigung zu schreiten bzw. zu fahren, denn in Heidelberg war ich noch nie.

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Akademie der Wissenschaften und Schloss

Mittlerweile kann ich die asiatischen Heerscharen ein bisschen verstehen, denn das Städtchen am Neckar präsentiert sich vermeintlich urdeutsch und puppenstubig. Am bekanntesten ist sicher das Heidelberger Schloss, das etwas oberhalb der Stadt (laut Wikipedia am Nordhang des Königstuhls) liegt und mit einer Art Zahnradbahn bequem erreicht werden kann. Die Hin- und Rückfahrt einschließlich Eintritt in den Schlosshof und das Apothekermuseum kostet pro Nase 7,- Euro. Wer etwas besser zu Fuß ist, kann auch hoch laufen. Wirklich weit ist es nicht, nur etwas steil. Das Schloss selbst ist riesig und nur teilweise restauriert. Wenn man einmal oben ist, sollte man auch noch durch die Schlossgärten flanieren und einen Blick ins Apothekermuseum werfen. Ich bin hoch gefahren (faul wie ich bin) und runter gelaufen. Hat sich gelohnt, am Weg nach unten stehen schöne Häuser.

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Blick vom Schloss auf die Altstadt mit Heiliggeistkirche und Alter Brücke

Wieder zurück, lohnt es sich, schräg über den Markplatz Richtung Neckar durch die Steingasse zu gehen, denn diese führt direkt zur Alten Brücke, auf der man den Neckar überqueren und zur „teuren Seite“ Heidelbergs gehen kann (nicht, dass es da irgendwo eine billige Seite gäbe…). Dort am Hang stehen, mit Blick auf die Altstadt gegenüber, jede Menge echt schicke Villen, wo laut Angaben meiner Freundin auch Franzi van Almsick wohnt. Oberhalb verläuft der berühmte Philosophenweg, ein angeblich wunderschöner Spazierweg, den ich mir allerdings bis zum nächsten Besuch aufgehoben habe.

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Altstadt- und Villen-Impressionen

Die Stadt selbst wird dominiert durch die Hauptstraße, die parallel zum Neckar durch die gesamte Altstadt verläuft. Jemand hat behauptet, sie sei Deutschlands längste Einkaufsstraße, was ich gerne glauben will. Vornean befinden sich zahlreiche Geschäfte sämtlicher europäischer Modeketten, weiter hinten wird es dann eher gastronomisch. Ich muss sagen, so viele Restaurants auf einem Fleck habe ich selten gesehen, und trotz der Touristen-Dichte scheinen die meisten davon echt was zu taugen. Natürlich konnte ich nicht alle ausprobieren, aber alles, was ich auf den Tellern der Leute gesehen habe, sah ausgesprochen ansprechend aus. Meine persönliche Restaurant-Auswahl war diese:

1.) Same Same Sushi in der Steingasse: Bei Sushi bin ich ja wählerisch, aber das Same Same war großartig! Dahin hat mich eine Freundin eingeladen, die mittlerweile in Heidelberg lebt. Es gab alles, was das Herz des Sushifreundes begehrt, auch meine geliebten Edamame. Die Einrichtung ist japanisch-puristisch, und man sollte vielleicht vorher reservieren, denn der Laden ist nicht so riesig…

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Sushi-Gelage bei Same Same

2.) „Mahmoud’s“ in der Bergheimer Straße 47 (Seitenstraße der Hauptstraße): Wer wie ich Falafel, Halloumi und Hummus liebt, ist hier genau richtig. Perfekt für den Mittagssnack, und einen schwarzen Tee gibt es zu jedem Gericht gratis!

3.) Im „Unter Freunden“, Märzgasse 2, fühlte ich mich wie am Prenzlauer Berg in Berlin: hier gibt es Smoothies aller Art, frische Pizza mit verschiedensten Belägen die nach Gewicht verkauft wird, frischen Ingwer-Minz-Tee und jede Menge Hipster, die auf dem absichtlich gebrauchten Mobiliar lümmeln und dabei ihr cooles Leben diskutieren. Ich bin da rein geraten, weil ich dringend meine Füße ausruhen musste. Für die sehr köstlich  aussehende Pizza war ich zu satt, aber der Tee war durchaus lecker. Die Märzgasse ist überhaupt eine sehr nette Gasse mit niedlichen Läden, kann ich empfehlen!

4.) „Die Kuh die lacht“, Hauptstraße 133 (in der Nähe der Uni-Seminarräume): Auf Wunsch meines Sohnes und seiner Freundin waren wir hier am letzten lauen Abend Burger essen. Und Süßkartoffelchips. Und lauter tolle Mayonnaisen (bin ich sonst nicht so für, aber Avocado- oder Basilkum-Mayo ist schon geil). Ich hatte einen Lachs-Burger, der statt mit durchgedrehten Fischpatties mit 2 dicken Lachsfilets belegt war. Unbedingt lecker!!!

5.) Was das Eis angeht, scheiden sich in HD die Geister: Ich war auf Empfehlung meiner Freundin bei „Schmelzpunkt“ (Hauptstraße), wo ich für 2,- € die sogenannte Eisprobe bestellt und mir Brownie Heidelberg Fudge und schwarze Johannisbeere ausgesucht habe. Zum Dahinschmelzen! Andere behaupten, das Eis von GelatoGo (auch Hauptstraße) sei noch besser. Das probiere ich dann beim nächsten Mal!

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Wer einkaufen will, ist wie schon erwähnt auf der Hauptstraße und rund um den Marktplatz schon ganz richtig. Noch besser hat mir aber die Märzgasse gefallen und die Plöckstraße, die parallel zur Hauptstraße verläuft und wo es kultige kleine Läden wie „Room mate“ gibt.

Noch ein Tipp, falls Ihr zwischendurch mal Euer Handy laden wollt oder müsst: Mitten auf der Hauptstraße gibt es den „Energieladen“ der Heidelberger Stadtwerke (schräg gegenüber vom Löwenbräu), wo Ihr Euer Handy kostenlos in einem kleinen Schließfach an ein passendes Ladekabel anhängen und nach der gewünschten Zeit wieder abholen könnt. Sehr praktisch!!!

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Zu besichtigen gibt es sicher noch so einiges, ich habe mir für dieses Mal noch die Universitätsbibliothek ausgesucht. Die ist wunderschön und alt und ehrwürdig, so dass man sich ein bisschen wie bei Harry Potter in Hogwarts fühlt. Es gibt auch eine Ausstellung zum Thema Kunstfälschungen – dafür war es mir aber zu warm…

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Gewohnt habe ich nicht in einem Hotel, sondern im Stadtteil Rohrbach in diesem sehr schönen Zimmer bei der netten Katja, die mir nicht nur ein wunderbares vegetarisches Frühstück gezaubert, sondern auch noch ein Rad geliehen hat. Rohrbach ist aber auch mit der Straßenbahn sehr gut an die Altstadt angebunden. Mein Auto konnte ich so bequem dort stehen lassen und war nicht auf die wenigen, teuren Parkhäuser in der Innenstadt angewiesen.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kirsten sagt:

    Liebe Marion,

    ein sehr schöner Reisebericht mit tollen Restaurant-Empfehlungen! Ich war auch noch nie in Heidelberg und es ist auch momentan nicht abzusehen, dass es mich mal hinverschlägt, aber falls ja, dann weiß ich ja jetzt, wo ich gute Tipps finde. Ich finde jedoch, dein Sohn sollte sich das mit dem Verlegen des Studienorts noch mal überlegen… schöner als hier in Dresden kann es doch nirgendwo sein 😉

    Liebe Grüße,
    Kirsten

    1. aufgegabelt sagt:

      Liebe Kirsten,
      du hast schon Recht, Dresden ist wunderschön, aber ich muss sagen, Heidelberg ist auch toll, und da der Junge ohnehin das Studienfach wechseln will, habe ich da nix zu melden 😉 Es ist aber auch noch nicht 100%ig sicher, vielleicht landet er doch ganz woanders. Ich werde berichten!
      LG
      Marion

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